Nach Britney Spears und Spülwasser

Aufwachen mit diesem Ja und einschlafen mit diesem Ja und herumlaufen mit diesem Ja, das flüstert von Babies und Verbundenheit und von unendlichem, von unerträglichem Kitsch. Nachts vergrabe ich die Nase in deinem Nacken, deinem reizenden Fell; und deine Beine, die sich um meine Hüfte schlingen – die rasten dort ein mit einer Natürlichkeit, die mich schwindelig macht. Nie genug können wir uns ansehen, uns verlieren in schwarzen Pupillen und Schweiß und diesem Wunder Du, diesem Wunder Wir, wenn wir das Einszweisein erproben. Verwunderung, immer Verwunderung und Dankbarkeit, dass ich weinen möchte wie ein Kind und eine Großmutter, wie ein Kriegsversehrter über dem Brotkanten und unter den warmen Lichtern. Der Ritter, an den ich nicht glaube, liegt neben mir als lebender Anachronysmus, als fleischgewordene, mögliche Unmöglichkeit und mein misanthropher, mein daseinsverachtender Verstand möchte schreien vor Demütigung. Und dann hältst du mich, halte ich dich, halten wir uns an der Unerträglichkeit fest, erröten, ob dieses unerhörten, schamvollen Zustandes. Dann verschlucken die Worte die Zunge, vor verlegener Schüchternheit. Kneif mich, sagst du, und unserer beider Augenpaare wandern in den Höhlen vor Wagnis und Verblüffung.

Pubertät reloaded möchte ich sagen und dann schäme ich mich für den Versuch der Entsakralisierung, der billigen Ausflucht Ironie, die nur Angst ist. Angst vor der eigenen Nackheit, die das Unsagbare in bekömmliche Häppchen schneiden und sich entziehen will. Den sicheren Hafen Über-ich ansteuern, den Freud, der alte Perversling, so bequem erfunden hat. Wie schwer es ist, etwas zu fühlen und es dann wirklich unbeschwert von den Dächern zu singen, in Ernsthaftigkeit, ohne Kleinreden, ohne zu relativieren. Wieviel schwerer, es auszusprechen, vor dir, dieses unsagbare Aufgehobensein, Anfangen- und Aufhörenkönnen. Es kennt keine Worte, als ungelenke, solche, die zittern, noch bevor sie artikuliert werden, vor der eigenen Lächerlichkeit, vor dem boshaften Lachen und der Schande. Wieviel leichter, das Gesicht an deiner Schulter zu verbergen, als dich anzusehen und mich wirklich zu zeigen, in all meiner Wehrlosigkeit, in all meiner Hoffnung.

Geschichte ist kostbar. Ich war betrunken. Doch was ich erinnere, das ist diese Gewissheit. Diese völlig irrationale Überzeugung, Mauleseligkeit. Das widersprach deinen Prinzipien und dann deine Hilflosigkeit gegenüber meiner Entschlossenheit. Ich dachte nicht an deinen Mund oder deine Hände oder deine Brust, wie ich heute an sie denke. Ich dachte an nichts, als dass ich nirgendwohin gehen könnte, nirgendwo sein könnte als bei dir. Und dann meine Hand in deiner und deine rührende Fahrigkeit, die dich stammeln und stottern und deine Hände nicht still stehen ließ – der Flur war dir nicht ordentlich genug und das Zimmer nicht und diese deine Schüchternheit, deine Hilflosigkeit war ein Löschblatt und ließ uns unbeschrieben sein und linkisch und verlegen in einer seltsamen Ergriffenheit. Und dann diese stille Zärtlichkeit in mir, wie ich so auf deinem Sofa sitze und du Gläser rückst und weg nimmst und abstellst und Stifte von der einen Seite des Tisches auf die andere sortierst.
Und später, als ich aufwache mit deinem Bauch an meinem Rücken und deiner Nase in meinem Haar und deiner Hand, die wie selbstverständlich, wie notwendig, die, wie versichernd, so warm, mit meinen Fingern verschränkt ist.

O. spricht vom Singledasein als Befreiung und mich schaudert. Dass wir euch ansehen wie Kinder, eine zusätzliche Belastung.
Und dann Du. Immer nur Du. Wie ich gehe mit Schnee im Haar und den Jahren, die mir an den Mundwinkeln zerren und wie ich die Treppen nehme, immer zwei auf einmal und wie Du mir die Tür öffnest und wie wir uns halten wie Schiffsbrüchige. Es is wahr, traurig wahr, dass das Glück keine Worte kennt als solche, die nach Britney Spears und Spülwasser schmecken.

Einsamkeit macht Nutzlosigkeit essen Seele auf. Hilfe.

Das Meer und das Mädchen

Immer ist es wie einen alten Freund besuchen. Mein Herz versteht die Berge nicht, die Kälte, klaustrophobische Enge. Kein Weg zurück, nur Mühsal.
Mit blauen Lippen kann ich die Wellen brechen, bis mein Nacken fast nachgibt, beobachte die weissen Zehen, ob ihnen nicht Schwimmhäute wachsen. Das Meer und ich, wir haben ein intimes Verhältnis.
Das sprudelnde Glück wenn die Wellen brechen, das sanfte, manchmal wütende Zerren an den Gliedern. Es will dich auflösen, hinausziehen, einverleiben. Es ist ein Organismus, ein Tier und eine Kraft, aufbrausend, melancholisch, mondsüchtig, sanft und trügerisch. Das Meer muss wild, muss Mann und Frau und Vater und Mutter und Urgrund sein, weise und zürnend, grausamer als Zeus und Hades und Poseidon. Dass mich der Gedanke an einen Meeresgott mehr amüsiert, als der an irgendeine andere Gottheit. Niemals ist das Meer Untertan. Es verweist jeden in seine Schranken.

Mein Mund ist fahl vom Kaffee, die Nieren hohl vom Lärm. Die Städte lutschen an meinem Knochenmark. Hohl mäander ich durch die Strassen, eine Sehnsucht, fast so tief wie der Ozean. Es ist die Sehnsucht nach Umarmung, dem Wiederfinden all dessen, was ich im Feuer verlor.
Grausam nagt das ungenügend und ich tätowier mir eine 5 auf die Stirn, für Furcht und Flucht und Schwermut. Meine Haut ist wie die der Fische, sie zeigt den andern und wenig mich. Und doch, im Innern schreit ein Pfau, will Räder schagen und leuchten.

Dein abgewandter Blick ist das gewetzte Messer. Ich taumel in meinem Unverstand, will Liebe nur wo Wüste ist. Feige ist es, zu begehren, was sich entzieht. Zu tief der Grusel echten Erkennens. Eure Empathie rupft mich federfrei für die Flammen. Mein harter Panzer glänzt in der Missachtung. P. meint’s gut, er ist ein sanftes Blauauge. Ironisch sagt er, sie halten dich, schnell, flieh. Ich lache und er trifft den Kern. Wer mich liebt wird mich schwächen, mich verlassen, so sitzt das Misstrauen als eitriger Stachel in meiner Brust. Ich verende an Zuneigung und blute doch wie ein Tier, allein im Wald. Liebe mich, wenn du dich traust schreit jede Faser in mir und ich möcht mir den Kopf einrennen über meiner Unvollkommenheit, Bedürftigkeit.

Seelenreinigungsrasenmäher

Immer wieder das selbst-sentimentale Bild des Kindes, das unersättlich nach Aufmerksamkeit giert. All die Geschichten, die wir uns selbst erzählen für die Illusion einer stringenten, logischen Entwicklungsgeschichte, aus der wir stets als die einsamen Helden hervorgehen.
Vielleicht ist die Frage nach der Wahrheit von vorne herein falsch gestellt, überall nur Fragmente und Episoden, Brüche in unseren Launen und Erlebnissen, die wir mit Bedeutung und Symbolik aufladen. Muss es einen Ursprung der Sehnsucht geben? Oder verwechseln wir nur die Konditionen menschlichen Lebens mit subjektiven Problemstellungen? Immer möchte man etwas auflösen, den Dingen Grenzen und Namensschilder und Endlichkeit aufdrängen, damit wir sie in der Marmeladensammlung unseres Gehirns verwahren können. Wie ironisch, dass sich gerade dieser Umstand nicht in eine Gleichung integrieren lässt – jegliche Auflösung, wenn gelungen, führt an den Abgrund – irgendeinen zumindest. Anderes ist gar nicht abzuschließen, unsere Erlebnisse werden organische Bestandteile unserer selbst. Jeder Amputationsversuch erzeugt Leere, gleich eines ausgenommenen Körpers, zum Identitätsverlust. Auflösung heißt Tod heißt unser Auflösungsbedürfnis ist Todessehnsucht. Warum blos die Illusion des Willens zur Unendlichkeit. Menschen hassen Unendlichkeit ist Stillstand. Die Anlage zum Unglück liegt im System. Weder Wandel noch Stillstand sind zu ertragen.

***

Freshly Ground drängt das unglaublich blöde Gelaber meiner minderjährigen Miteinkäufer zurück. Ich drehe lauter. Wieder fährt dieser fettgesichtige Kerl auf diesem Reinigungsrasenmäher um Haaresbreite an mir vorbei. Wieder habe ich das Bedürfnis, Edekareinigungsmann von seinem motorisierten, viel zu lauten Thron zu stoßen. Ich hetze durch die Gemüseabteilung wie ein Nichtschwimmer bei Flut, beiße mir die Backen blutig, die Tränen kommen nicht. Nur müde Verzweiflung im Rachen wie ein dauerhaftes Versprechen auf mehr. Ich kann nicht einmal beantworten, warum ich seit Tagen so bin. Dieses Gegenteil von Schwere in der Brust, das ist wie Weinkrampf ohne weinen. Im Angesicht der Kühlregale würde ich mir am Liebsten selbst ins Gesicht schlagen, wenn ich nur eine Hand frei hätte. Wie diese verrückte Alte bei American Beauty, die ihren Kopf gegen die Verandatür des unverkauften Hauses schlägt. Gott, ich liebe diesen Film.

***

Es ist Nacht und ich koche, nur um die Hände zu beschäftigen, nur um geschäftig umher rennen zu können, nur um irgendwohin diese stumme Verzweiflung ableiten zu können, dabei habe ich seit Wochen weder richtig gegessen noch geschlafen. Die Töpfe brodeln und quellen über und ich schneide alles, was ich finden kann, so klein, und dann meine Hände, und dann werfe ich es in die Töpfe und dann schütte ich es ins Klo und dann öffne ich die nächste Rotweinflasche, weil ich mich selbst nicht mehr wahrnehmen müssen will.

***

Ich liege auf dem Sofa und ich wünsche mir, das jemand käme, den ich dann hinaus schmeißen könnte. Ich wünsche mir, das jemand käme, der mich betrunkener macht und der mir das Hirn mit Körperlichkeit füllt und mir weh tut und meine Synapsen zum Schweigen bringt. Ich wünsche mir, das jemand käme, der mich auf den Arm nimmt, wie ein Kleinkind, und der mich ansieht und mich wahrnimmt und der mir das Schluchzen ins Gesicht bringt und aus der Seele reißt.
Ich wünsche mir, das jemand käme, jemand anriefe, den ich nicht retten muss.

***

01:46

Fundstück (3)

2.1. 2009

Das Verrückte am permanenten Unglücklichsein: Irgendwann wirst du so paranoid, dass du den Frieden nicht mehr ertragen kannst. Das ganze Leben ist auf den Feind ausgerichtet. Ihn zu meiden, auszutricksen, geschmeidig zu sein, wie ein Kätzchen, um seinen Tritten auszuweichen. Und verlogen. Die Fantasie der Schutzbedürftigkeit kennt keine Grenzen. Aber wenn du dem Spiel entwachsen bist, also eigentlich das Ziel erreicht hast, bist du misstrauisch und leer, wie einer, dem die Lebensgrundlage entzogen ist. Das Leben sollte doch ein bedeutungsvoller Kampf sein und der Gegenstand des Kampfes bist du und somit bedeutsam. Ihr Widerstand gegen dich ist also ihr Geschenk, weil es dir Bedeutung gibt, und Macht.
Das Schlimmste nun schließlich ist die Bedeutungslosigkeit. Wenn du nicht mehr von dir reden machen kannst, bist du mittelmäßig und die Mittelmäßigkeit ist gleichzusetzen mit Existenzlosigkeit. Der Sinn wird ausgelöscht, die Versandung im Ewigen, Schummrigen, Unbestimmten der Jasagerei und Harmoniehascherei bedeutet den sicheren Tod aller Kreativität und alles Lebenswerten. Drum: Wer das auf Dauer erträgt, der muss eine Lebensleiche sein.

Fundstück (2)

Ich schlumpe durch den Schnee,
wie ein Vagabund, stehe
vor verschlossenen Türen. Als wartete
ich auf dich, der
unbekannt
mich nicht erwartet

(2008 ?)

Die Haut der Traurigkeit

Am Schlesischen Tor stolpert mir prettyboy vor die Füße – eine der vielen Optionen für’s überm Fachtext angeifern. Vögeln und Fachtexte. Willkommen in meinem Leben.
Seine Unsicherheit maskiert er mit einigermaßen klugen, philosophischen Überlegungen. Wohin er will mit seinen Gedanken zur Konstruktion vermeintlicher Kausalitäten – keine Ahnung. Ich starre ihm eigentlich nur ins Hemd, auf die Arme, komme mir immer monströser vor. Mich verabscheund wähle ich Gin Tonic als beste Waffe gegen mich selbst.

Am Wasser weht ein scharfer Wind. Familie als unvermeidliches Thema. Vollkommene Abwesenheit von Intimität. Man spricht, kaum Resonanz. Jemanden mitnehmen, eben weil man kann. Wer zieht mir den Teppich weg? Anklage, Sehnsucht, Herausforderung, Verächtlichkeit. Man baut sich eine Burg und ist beleidigt, dass es niemandem gelingt, sie abzufackeln, wäre beleidigt, wenn.
Und wieder – Selbstverachtung durchs Gelangweiltseins von der eigenen Abgefucktheit.

Die ersten Küsse direkt romantisch. Und dann schwebt mir eineinhalb Stunden auf der Zunge, warum machst du das hier eigentlich, du willst das doch gar nicht. Gilt wahrscheinlich für uns beide. Die Angst, dem Kerl das Ego zu zerdrücken, der sich da derart an mir abarbeitet, lässt mich schweigen und abdriften, dösen. Gedanken wie Wolle im Hirn – überall Fäden. Wann war zuletzt September und warum ist das wichtig? Und was um Gottes Willen machst du mit deiner Zunge auf meinen Schneidezähnen? Bist du ein verfickter Zahntechniker? Innerhalb von dreißig Sekunden bin ich weggetreten.

Morgen. Geschlossenen Auges warte ich aufs Alleingelassen werden. Der Kerl gibt mir den denkbar ungeschicktesten Kuss auf den Hinterkopf und hinterlässt eine kaum leserliche Notiz auf dem Küchentisch. Nach Murphys Law steht er ein paar Stunden später zufällig direkt wieder vor mir und während sittsamem Gruppengespräch über Kant oder irgendsowas, das mir und meinem Katerkopf gerade scheißegal ist, kann ich mich zwanghaft nicht von dem Gedanken trennen, dass ich weiß wie sich sein Arsch anfühlt (ganz gut eigentlich). Unangemessenheit. Verdammte Schwäche für Unangemessenheit. Einen Moment später weiß ich nicht, wovon mir schlecht wird – der Harmlosigkeit der Leute, die da mit mir auf diesem Flur herum stehen oder meiner scheiß Unruhe, die mich Dinge tun lässt, von denen ich schon vorher weiß, dass sie unglaublich dämlich sind.

Mit der U2 kann man wahrscheinlich auch bis nach Hamburg fahren. Oder man liest und schaut auf und hat das Gefühl, dass man schon wieder in die gleiche Station eingefahren ist wie vor zehn Minuten. Man kommt nie raus aus dieser scheiß Ubahn. In der Kastanienallee springt mich hinterhältig so ein aggressiver Traurigkeitsanfall an und durchtrennt mir die Achillessehnen. Dieses ekelhafte Verlustgefühl gegenüber einer Sache, die man nie besessen hat. Die Haut kräuselt sich unter falscher Berührung – und dann kommt der Kopf hinterher mit Bedauern und Verlust um die Ecke. Ich weiß nicht, ob das hier alles irgendwann mal einen Sinn hatte, ob sich was ändert oder ob ich einfach aufhören sollte, ständig mit Leuten zu schlafen, die mir am Arsch vorbei gehen.
Bier kaufen, einfach mehr Bier kaufen. Geschichten erzählen. Fiktionalisieren. Verdrängen. Bis zum nächsten Mal.

Kohlensäure

Ich träume von Monstern. Ich träume von Verfolgung. Ich träume, Steinbart hat einen Hirntumor und bricht keuchend auf dem Küchenboden zusammen. Ich träume und mein Rücken brennt und es ist meine Lunge, die explodiert.
Dreh dich um, sagt der große Bruder. Tu’s einfach. Und dann sein Arm um meinen Bauch und ich greife nach seinem Handgelenk und wühle zwischen den Decken nach Halt. Unruhe wie Kohlensäure in der Seele. Bedroht wie ein kleines Tier und ich weiß nicht, von wem, als von mir selbst. Narziss sieht uns beim Schlafen zu und verschwindet lautlos. Ich ziehe mir das Kissen über die Ohren.

Der Junge mit dem Hut streichelt mein Kinn. Sein Mund ist schüchtern wie der eines Kindes. Zwischen meinen Zähnen ist Sand. Die Hippies werfen uns eine Decke über. Sie denken, das hier sei Liebe.
Die Sonne steht hoch und brennt mir ins Schlüsselbein. Die Spree wie Ankh und ein bisschen wie London. Es gibt nicht so viel Schlaf auf der Welt wie dieser Körper bräuchte, um unversehrt zu sein. Der Junge mit dem Hut schreibt mir eine Nachricht. Ich komme mir vor wie eine hellsichtige Mörderin. Wer die Nummer mit mir erhalten will, ist kein würdiger Gegner. Sie brauchen mich. Sie denken, dass. Sie haben keine Ahnung.
Ich verachte mich selbst für meine Rettungsfantasien. Ein Mann. Einen, der mich interessiert.

Wieder hängt er am Fenster und sieht mich mit Beute nach Hause kommen. Vielleicht denkt er, so verdiene ich mein Geld. Vielleicht denkt er gar nichts. Wieder steht er vor der Tür und zeigt seine behaarte Altmännerbrust. Die Post. Wieder will er Wein mit mir trinken. Ich weiß nicht, was er sich einbildet, zu wissen. Oder: zu können.
Die Tür fällt ins Schloss. Mr. Wrong stellt mir ein Bein und reißt mich zu Boden, seine Zähne reißen an meiner Haut. Wieder bin ich grün und blau und Mr. Wrong drückt meine Arme in den Teppich, drückt mit hungrigen Händen die Wäsche in Stücke.
Ich denke an ihn, wie er lauschen mag, wie er das Ohr an die Wand presst, wie er die Augen schließt, wie er atmet. Ich wünschte, mein Kopf könnte loslassen.

Die Stunden wie Fondue. Wenn der verdammte Rücken nicht wäre. Alles will ins Morgen. Den Rucksack gepackt. Flucht in die Körper und aus den Körpern.

Der kleine Vogel in meiner Brust

Wieder der Flügelschlag, meine Klavikula bebt, als spiele ein Unsichtbarer ihre Tasten.
Die Angst ist kaum greifbar, kaum real, doch fühl ich die Kralle unter den Stufen nach meinen Knöcheln gieren.
Es wohnt ein Kolibri in meiner Brust und für jede rationale Tat bezahlt er mich in Systolen.
Der Schweiß, nachts. Immerzu möcht ich rennen.
Zwischen den Büchern find ich eine CD, auf der in unbekannter Handschrift steht: Du bist nicht allein.
Das ist beängstigender als alles andere. Und dann der CD Player, der immer wieder zittert und doch nicht lesen kann.
Das Atmen fällt mir schwer, ich ergehe mich in Rettungsfantasien, inzestuöses Verlangen nach Schrumpfung.
Der Kolibri fliegt mir durchs Gebein, macht meine Knie flattern und mein Zwerchfell beben.
Und jede Einladung zur Flucht aus dieser Gummizelle ist wie die Hand für den Ertrinkenden.

Wildern

draußen feuern sie Raketen ab.
ich weiß nicht, wonach ich so hungrig bin.
Die Hitze dringt unters Dach, unters Kleid, dass selbst die nackte Haut beengt.
Die Fenster geöffnet ins grün steh ich auf, sitze, liege, kreuze Glieder
rauche wieder.

unsre Leiche ist nicht kalt schon
bist du nur ein Duplobild
die alten Seiten glänzen gelb, unter den Nägeln Pritt
ich zerdrücke
Kügelchen

ein altes Buch, mit Mädchenschrift
ich mal dir eine 34
so gehst du in die Annalen ein
als Abziehbildchen meiner
Projektionen

nackt
steh ich vorm Spiegel
und bin mir selbst
kein Lächeln wert
das Kapital
muss man
nüchtern prüfen

ich male mir
die Augen groß und den Mund
unschuldig
dann hauch ich mich an und schreib in die Stille
:wildern