Die Zeit ist unbarmherzig, sie zerrt an unsern armen Körpern und doch, bequemt sich nicht, zu sein. Unter unsern Zwiebelschichten schmelzen wir, eins, mit dem jetzt und dem damals. Auf deinem Arm sein, neben dir sitzen, ohne dich sein, vergehen. Das ist alles gleichzeitig. Mein Kopf schmerzt, er ist ein bemitleidenswertes Kontrollelement. Mein Magen sticht, dein herz bricht, und unsere Atome flüstern. Leis schwirren die Elektronen, sind sie dir immer im obersten Orbital. Drum emittierst du soviel Licht und drunter ist eine Schlucht, so tief.
Die Blinden kannst du blenden, doch aufgehorcht, ihr mit den seismischen Nervensystemen! Es brodelt der Vulkan. Mag er lächeln wie er will, fühl ich doch sein Vibrieren. Übermenschlich stark sind meine Glieder, jede Sehne ist verkürzt. Der Körper ist ein wundersames Ding.
Dein Herz spielt Vibrato und meines erzittert, wie Laub, das dein Wind bläst.
Welchen Marsch blasen wir? Marschieren auseinander, um uns auf der anderen Seite wiederzutreffen. Will ich aus deiner Umklammerung brechen hedder ich mich tiefer hinein.
Das Tier in mir hat den Instinkt, drum kocht ihm das Blut. Die Augen schärfen, schneller geht der Atem, Muskeln spannen sich zum Schreim lauf, lauf, lauf um dein Leben. Doch laufen kann ich nicht von einem Tumor, der sich mir durch die Eingeweide frisst.
So lang ich brauch gebraucht zu werden, so lang häng ich an deinem giftigen Tropf.
Zäher Halunke. Hast immer dich am Leben angezeckt und wühlst in aller Herzen. Nun hast du sie wieder alle in Aufruhr, die Frauen. Immer hast du Frauen. Die Jahre schmelzen ins Nichts, du gräbst sie alle wieder aus, die Verletzten und Verlassenen.
Und hinter dir trocknet der Blutstrom nicht. Komplizenschaft. Ich möchte kündigen, dieses unselige Abonnement, und kann nicht. Dass ich dich lieben muss, hängt mir als Anker um den Hals.
Später leg ich das Lineal an und sag mir, es ist nicht den Tod wünschen, es ist der Wunsch nach Freiheit von dir. Meine Kräfte hast du auf dich verschoeben, elender Schachspieler. Deine Gießhilfe war ich, und mein Blut dein Dünger. Allein, du bist ein äschernes Gewächs und lebst von Infusionen.
Wieder schnappst du, vielleicht ein letztes Mal, mit unverwechselbarer Geste, Abwehr im Hals. In der Jugend mir ein kalter Fels an dem mein Wollen abgleitet, in der Schlucht vor dir zerschellt. Und du lachst.
In deinen Augen war ich nur, was ich sein durfte, ertragbar, niemals jedoch: genug. Von dir lernte ich das Lächeln, wenn ich wieder nicht richtig war. Wer sich nicht biegt, der bricht und ich – von dir hab ich gelernt, wie man zwei und drei und vier ist. Wie man nickt, wenn man schreit, wie man schweigt, wenn der Magen brennt – wie man ertrinkt, mit aufmunternden Worten fürs Umfeld und einem Nachbarschaftsgeschenk zwischen den Zähnen.
Immer hab ich mich geduckt in diesem Haus, und das Atmen fiel mir schwer. Das Recht auf Existenz muss man sich verdienen. Wer gebiert, darf in die Finsternis stoßen. Und später hast du mir gesagt, du seist so stolz, dass du mich zurecht gehämmert hättest, gegen alle Einwände, das wilde, egomane Kind. Und sieh nur, sieh, was für ein angenehmer Mensch aus dir geworden ist. Du sprachst, die Hände am Steuer, dabei schwieg ich so laut. Als glitten deine Augen ab, an mir, während sich die Finsternis mir ins Haar legt. Was für ein Erfolg, dass mich die Menschen freundlich finden.
Später dann, zu spät, hab ich die Angst gesehen, in deinen Gesten. Nun sprichst du mir auf den Anrufbeantworter, dass du nicht schlafen kennst, wenn mir einer Böses tut. Und dann denk ich an die drei, die vier, die fünf, all meine Gesichter und an die Dunkelheit meiner Jagdgründe. Das Ungesagte und Verschlossene, in meinem Flussbett.
Tausendmal hab ich dich ausgekotzt, abertausendmal bin ich geflohen und nie fand ich Zuhause. Wie leere Hüllen Gier stehen die Jäger an den Kreuzungen, wollen mir in den Eingeweiden wühlen. Und nun sagst du, zu empfindsam sei ich, für das Wüten der Welt, auf das du mich nicht vorbereitet hättest. Und ich weiß – nicht vorbereitet gewesen bin ich, weder auf die Welt, noch auf euch. Und sagt mir nocheinmal so ein Esoidiot, das suche man sich aus, dann reiß ich ihm die Zunge raus.
Nach Jahren plötzlich Wut auf dich. Du hattest mir soviel voraus.
Brach vor Leben; schreiend vor Schmerz – dabei lächelnd sich selbst auf der Haut tragen.
Du, umher ziehend, warst schon ganz krustiger SeeIchIgel; hab ich dir noch meine Bauchfellstreifen zum Trocknen in den Sand gelegt
schlimm, nicht: Wagnis. Gefühl.
schlimm nur – das Erwachen – nackt, gefesselt und geknebelt an deinem Marterpfahl
auf die Flut warten.
Heute, im Gespräch, wieder Risse in der Haut. Wenn ich nicht aufpasse, mich nicht konzentriere, dann schwappt mir Teer aus dem Mund. Bricht meine Stimme auf und zeigt, was ihr nicht sehen wollt. Ich hab soviele Hausaufgaben, möchte mir die Jahre aus dem Gehirn löschen. Das Nackte in mir trommelt gegens Verlies, will sich befreien, kratzt kleine Löcher in die Türe. Dabei dacht ich, sie wär aus Stahl.
Ich reiße mir das Buch aus der Tasche und schreibe wie betrunken im Blickehagel. Da steht: „Ich komme jetzt langsam dahinter, was es ist. Manchmal bin ich innerlich schon so emigriert, dass ich verwirrt bin, wenn mir jemand zuhört. Dann werd ich schüchtern, stottere. Wahrgenommen werden – Schläge erwarten. Vielleicht weil man nicht mehr weiß wie das geht, echt sein.“
Stellen Sie sich das mal vor: Einen Menschen, der Raum einnimmt. Einen Menschen, der – seltsamerweise – Respekt einflößt. Einen Menschen, von dem Großes erwartet wird (man weiß nur nicht recht, was eigentlich). Einen solchen Menschen, der, wenn er etwas Persönliches sagt und dabei angeschaut wird, auf den abfälligen Witz, den ablenkenden Kommentar wartet. Der stottert und rot wird und sich auflösen möchte und dann plötzlich in bodenlose Traurigkeit absinkt. Das ist, als sperre man eine alte Holzkiste am Fuße einer sehr dunklen Schlucht auf, irgendwo im Schwarzrot der gurgelnden Arterien, die dir ihre seltsame Sprache ins Ohr flüstern. Und heraus kämen, flüchtig wie Äther und betäubend, Demütigung, Ablehnung, Verletzlichkeit und das tiefe Empfinden, nicht sein zu dürfen.
Sind wir inzwischen alle so?
Neulich stolpert ein Typ auf mich zu, mit so einem irren Zucken im Mundwinkel, die Augen starr. Wie der so grinst und langsam auf mich zukommt, mit offenen Armen, da ist es, als würde er den Boden nicht berühren. Mister Weird schiebt mir seine Zunge in den Rachen und packt meinen Nacken gierig, reißt mir am Haar. Er leckt mir den Hals, beißt mir ins Schlüsselbein. Seine Finger wie Schlangen, voller Entschiedenheit kneten sie in Sekundenschnelle meine linke Brust, schieben sich unter Kleid und BH. „Ich weiß, sie sind wunderschön“, flüstet mir Mister Weird ins Ohr und seine Gier macht mich schwindelig. Er will mich auf die Toilette zerren und als ich abwehre behält er dieses hungrige Grinsen im Gesicht und geht auf Pirsch, schleicht herum wie eine Katze zwischen Nebel, Bier und Qualm. Männer, Frauen, Leichen. Der große Hunger des Tieres Großstadtmann, an einem Sonntagmorgen um halb 9.
Teigig sieht er aus, gelblich – und freundlich. Ich frage ihn, wie oft er konsumiert und er sagt: Jedes Wochenende. Übrigens will er nicht mit mir schlafen sagt er, denn er liebt seine Freundin. Ob ich mit ins Kitkat käme? Die hätten eine gute Afterhour.
Seien wir ehrlich: Wir müssen uns verabschieden vom Bild des blutverkrusteten, blaugefleckten Skeletts, des irren, aggressiven Junkies. Seien wir ehrlich: Berlin ist eine Stadt voller Menschen, die so tun, als seien sie bürgerlich. Berlin ist eine Stadt voller Menschen, die sich fünfmal wöchentlich in Banken, Immobilienbüros, Architekturfirmen verhalten wie fürchterlich seriöse, fürchterlich erwachsene, fürchterlich verhandlungssichere Profiarbeitnehmer. Die abends ohne einen Batzen weißes Glück nicht einmal die Couch verlassen würden.
Mein Freund der Braunbär zuckt die Schultern und sagt, wie immer etwas hilflos die zu unsichere Seele durch einen zu mächtigen Körper kanalisierend, seine Jungs, für die gehöre das zum Tanzen dazu. Zum Leben. Zum irgendetwas tun.
Der Teigige und ich laufen also zum Kitkat. Inzwischen ist es zehn. Während ich warte bezwingt er das Treppenhaus, klaubt die letzten Reste MDMA zusammen. Fünfzehn Minuten später, im Kitkat: Dämmerlicht. Am meisten interessiert mich der schwule Garderobieri.
Neben der Tanzfläche werfe ich mich auf ein seltsam geformtes Möbel, nuckle müden Auges an meinem Bier und sinniere über die Abwaschbarkeit von Plastikoberflächen . Was Erotik ist, diese Frage schießt mir durch den Kopf.
Seltsam Resonanz-los ist es, die Menschen hier anzusehen. Pornobitches in knappen Höschen mit Bauchnabelpiercing und perfekten Spraytan-Körpern schütteln ihre primären und sekundären Geschlechtsorgane. Ein nackter alter Mann dreht sich wie ein Kreisel, wirft die Arme in die Luft, Euphorie im Blick. Stiernackige Steroidfreunde stolzieren Oberkörper frei wie die Feldwebel einer seltsam ereignislosen Freakshow.
Ich dazwischen, seltsam nüchtern und empfindungslos, unsichtbar. Ich fühle mich: Abgestorben. Unversehens wird mir klar: Mitleid. Es ist Mitleid mit uns allen. Uns Massen der Einsamen, Ungesehenen. Da schwingen hunderte ihre Hintern hin und her, werfen alles von sich, schwingen ihre Silikontitten über jeden Schwanz, stecken ihre Zunge in jeden Hintern, der sich auf zehn Meter nähert, nur um noch eine Grenze zu überwinden und noch eine, nur um endlich gesehen zu werden. Und dann füllt sich ein ganzer Raum, eine ganze Stadt mit einsamen Grenzüberschreiten, die in ihrem Exibitionismus alles von sich zeigen, nur nicht sich selbst. Keine Hand zwischen den Schenkeln kann darüber hinweg täuschen, dass diese Menschen hier ausgehöhlt sind, passiv, verloren in ihrem totalen Egotrip. Alle wollen gesehen werden. Und nicht einmal die Drogen, nicht einmal die Blicke, nicht einmal das Stöhnen von der Eckcouch, täuschen darüber hinweg, dass die Menschen in diesem Raum jegliche Bindungsfähigkeit verloren haben.
Es ist fast warm, als ich an der Herrmannstraße auf die Bahn warte. Ein Familienvater spaziert Hand in Hand mit seinem munter vor sich hin plappernden Sohn. Aggressive Omis mit Hackenporsche lassen mich an die Wand zurück weichen. Ich fühle mich so nüchtern wie man sich fühlen kann, wenn einem beim Gedanken an Alkohol schlecht wird. Ich denke an Mister Weird, den Teigigen, die Pornobitches, die Steroidstiere. Ich denke an Unsichtbarkeit. Ich denke an eine Generation, die nicht mehr in der Lage ist, zu fühlen.
Der Sommer brennt mir Löcher ins Getriebe. Strukturlos wabere ich durch einen seltsam surrealen Kosmos, in dem sich Worte auflösen wie Brause im Bauchnabel: Zuhause, Pflicht, Ziel, Rhythmus, Bedeutung. Sicher, ich trinke zuviel.
Bei Unruhe über der Unruhe, dem seltsamen Ziehen im Bauch, wenn ich an Dich denke, stößt mir eigentlich auf – das Konventionelle. Wenn unsere Wünsche so banal sind, dass wir sie verachten, nach Sicherheit, Geliebtsein, Gesehenwerden. Da dreht man sich ein paar Mal, ein paar Jahre lang, um sich selbst, um zu erkennen, dass man immer noch nicht mehr geworden ist, als dieses Kind, das schweigen soll und sich der Mutter vor die Füße wirft und schreit und schreit. Das Einzige, das mit uns wächst, sind unsere Verschleierungstaktiken zum Aufbau der Illusion von Ich-Komplexität. du-sollst-mich-lieben-du-sollst-mich-lieben-du-sollst-mich-lieben. Und dann der ganze Mist mit Status, intellektuellem Kräftemessen, Integrationsverweigerung. Am besten kaufen wir uns alle gegenseitig ein Eis und tätscheln uns die Stirnen.
Plötzliches Erinnern an „Und Sie kommen jetzt erst..?“ Erstaunlicher Witz einer wenig erstaunlichen Persönlichkeit der westlichen Psychowohlfühlindustrie. Dummheit, Unsensibilität, Einfachheit sind manchmal wie Affront. Dabei die Angst davor, jemanden zu treffen, der wendiger ist. Die Isolation ist Überlegenheitsarroganz. Und dann die kindliche Hoffnung auf Autoritäten. Wenn wirklich niemand kommt, uns zu retten, wie sollen wir leben? Diagnose: Depressive Verstimmung. „Sie wissen alles. Sie haben alles verstanden. Ihnen kann man nichts erklären. Sie müssen sich einfach ausheulen“. Wenn ich’s könnte, dann hätt ich sie nicht adoptiert, die verdammte Schwermut.
Derweil Ärger über das Massenkoma, dem ich selbst anheim falle. Wenn Theater ist wie Ausflug unters Sauerstoffzelt, Lesen ein nicht effizientes, überflüssiges weil nicht erwerbssteigerndes Relikt; wenn Zeitgeist bedeutet: Lärm mit melodischen Elementen, Bier aus Kanistern, Betäubung aus Tütchen und Hormonhedonismus. Und dann sich selbst verachten für den Sexappeal der Verstumpfung. Seltsame Leere in mir auf der Oranienburgerstraße, die Massen drängen wie ein Haufen entseelter Berufskonsumenten gen nirgendwo. Worauf warten wir hier, zwischen Abfallhaufen, übersteuerten Boxen, schalem Bier in Plastikbechern? Das Wummern übertönt das Schweigen in unseren Köpfen nicht. Es helfen nur: Unablässige Beschäftigung, vorgeschobene Geschäftigkeit. Immer in Bewegung bleiben, immer kommunizieren, nie zurück und niemals ins Jetzt blicken. Sonst holt sie dich ein, die gierige Schwester Hohn ob deiner jämmerlichen Unfähigkeit zu agieren, ob deiner jämmerlichen Unmündigkeit. Wie die Schafe stehen wir, gutes Konsumentenvieh, ohne Willen, ohne Kraft, ohne Ideen. Wir alle sind ausgehöhlt. Wir alle warten, dass irgendetwas passiert, dass uns irgendetwas weitertreibt zur nächsten Illusion von Selbstbestimmung.
Manchmal möchte ich Ubahn fahren und nach der Proteinbiosynthese gefragt werden, nach Brigitte Reimann oder dem abstrakten Konstrukt der Nationalidentität. Manchmal möchte ich mit Menschen sprechen und dabei nachdenken müssen. Manchmal möchte ich lebendige Menschen treffen. Manchaml wünsche ich mir, jemanden zu treffen, der mich interessiert.
Irgendwo hinter mir haben zwei Typen einen Orgasmus über einer Hähnchenbrust. Erst jetzt merke ich, dass ich aufgehört habe zu weinen. Selbst S Neukölln kann indifferent, fast: freundlich, sein. Die Traurigkeit hat sich irgendwo verschanzt, noch nicht ganz ihren durschnittlichen Posten eingenommen. Sie ist ein ständiger Begleiter. Ich hüte mich davor, sie zu offenbaren. Verstecke sie hinter Offenheit und Lachen, Stärke und der Fähigkeit, alles allein zu tun. Das Kreuz der lebenstüchtigen Übersensiblen drückt mich – dass Schmerz immer aus Bindung entsteht und dass Bindung daher unterbunden werden muss. Die Krux – beide Optionen überlebt man nicht. Weder das Einlassen noch die Verweigerung.
Ich erwäge, einfach sitzen zu bleiben. Dann steige ich doch aus, denn weder Spindlersfeld noch Schöneweide erzeugen irgendeinen Nachhall. Ich wünsche mir Orte, die nach mir rufen. Orte mit harmonischen Namen. Ich wünsche mir, dass irgendwo jemand auf mich wartet.
Kurz nachdem mir das Wort ‚Buchenwald‘ durch den Kopf gegangen ist, erschrecke ich – erstens weil sein Nachhall dem unschuldig-wortmalerischen Gefühl tatsächlich folgt (!), zweitens weil ich mich frage, was das über mich und meine Wünsche aussagt.
Die Halsschmerzen sind eine Zumutung. Willkommene Ablenkung vielleicht, von mir, als ich den Sternkreis ablaufe. Die Vögel scheinen nicht zu merken, dass ihr Geschrei hinter Betonmauern verhallt, blechern wird und seltsam erinnert an die Puppe Olivia. Mich schauert und ich streiche mir die kotzende Seele aus den Augen. Ich halte Ausschau nach Trost: nach Eichhörnchen. Aber ich sehe keine.
Mit Dir hat das wenig zu tun. Eigentlich ist es eine gelebte Erinnerung. Ich, laufend von den Lichtern. Ihr, glücklich und simpel. Ich, neben den Müllcontainern, nach Luft schnappend. Ihr, tanzend, lachend. Ich, erstickend an der Unfähigkeit, zu sein.
Lauwarm ist deine Liebe
versteckt in Sicherheit
duckt weg, wo sie sich riebe
und tut sich selber leid
Feige ist dein Lachen
schweigt wo es wirklich fragt
versteckt sich dir im Rachen
und alles wird vertagt
Bequem ist all dein Tun
willst alles ohne Mut
nichts investieren, nur ruhen
passiv macht alles gut?
Wollen oder lassen!
denn kämpf ich nur allein
verirrt in deinen Gassen
dann möcht ich es auch sein
Du glänzt in großer Geste
mein Schweigen hat Kanten
im dunklen Treppenhaus haben wir
die Eckzähne freigelegt
Laternenlicht spiegelt gespenstisch
Mordlust in Elfenbein
die Fremde in mir klingt verächtlich
und du schreitest zu weit aus
Woher weißt du, dass ich mich morgen melde?
Du sagst, du könntest beim Tanzengehen..
und schließlich seist du ja Besserverdiener
ich lache nur, frage – wer will dich geschenkt?
Das Lächeln klebt auf unseren Gesichtern
die Zähne mahlen Mühlsteine
wer auf wessen Kopf den Fuß stellt
zeigt, wer über den ausgestreckten stolpert
Königlich sind wir im uns nicht brauchen
schrecklich nüchtern und dabei breit
der Hund in mir erschnüffelt den Schorf
buddelt im Schlamm bis Blut kommt
Dein Schweigen ist ein Schraubstock
das Licht ausmerzen ein Spiel
die Regeln älter als alle Worte
töte, was du liebst
Die Haut zwischen Tag und Nacht ein Schleier
insomnisch reiß ich mir Dornen aus
Es gibt einen Raum zwischen wachen und tot
hier schweb ich
jedes Wort ein Stolpern im Gaumen
Strukturen verwischen und Angst verlieren
was finden wir unter den Routinen?
Beliebigkeit ist schlimmer wahr
als jede tödliche Doktrin
Heut könnt ich tapezieren
zu Schwalben beten
ein Kind produzieren
beschließen zu lieben und unterzugehen
die Fenster einwerfen
die Spatzen streicheln
und bliebe doch immer egal
Die Schultern gespannt
und die Taschen erhoben
schreitet ihr auf Relevanz
am Fenster steh ich, rauche kläglich
weine und lache
über die Bedeutungslosigkeit
In deinen Hals beißen, an deinem Haar reißen, das Wir – Finger krallend in Eisbärenfell
Rausch aus Haut und Hitze, Schmiegsamkeit und Biegsamkeit und dann in dich fallen,
dich trinken, jeden Schluck von dir in Mund, Zeh, Epidermis
sich auflösen in gegenwärtiger Zeitlosigkeit
Deine Hand in meiner Brust, ein Geschenk, ein köstliches
Ameisen in meinem Schoß, beim Gedanken an dich
und dein rührender Pelz, in dem ich unermüdlich wühle
aufgescheucht, betrunken, selbstvergessen
in unserer Flucht zwischen den Laken

